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Bordeaux und seine Appellationen

Häufig wird die Weinregion rund um die Stadt Bordeaux in 3 Unterregionen unterteilt: das sogenannte rechte Ufer rund um die Regionen Libourne und Blaye, das linke Ufer mit den Gebieten Médoc und Graves sowie der Bereich dazwischen, das Entre-Deux-Mers. Während in den Weinbergen des rechten Ufers und im Entre-Deux-Mers Merlot und Cabernet Franc die dominierenden Rebsorten sind, ist Cabernet Sauvignon die Hauptsorte am linken Ufer.

Entre-Deux-Mers
Bekannt ist dieses Gebiet in erster Linie für seine spritzigen Weissweine, welche die gleichnamige Appellation auf ihrer Etikette tragen. Es wird aber auch im Entre-Deux-Mers mehrheitlich Rotwein produziert. Diese Weine finden in der Regel unter den Appellationen Bordeaux AOC und Bordeaux Supérieur den Weg in unsere Regale. Bekannte Weingüter gibt es dort nur sehr wenige. Eine Ausnahme, die diese Regel bestätigt, ist zum Beispiel Château Girolate.

Das rechte Ufer
Auf der rechten Seite der Dordogne befinden sich sehr viele Appellation wie die Côtes de Bourg und die Côtes Blaye, welche in den letzten 10 bis 20 Jahren einen gewaltigen Qualitätssprung gemacht haben. Während zuvor beinahe ausschliesslich simple Rotweine ohne grosse Ambitionen aus diesen Appellationen kamen, finden sich heute immer mehr kleine Weingüter, welche mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis auf sich aufmerksam machen. Dennoch stehen sie auch heute noch im Schatten der beiden Star-Appellationen des Gebiets: St. Emilion und Pomerol.

St. Emilion 
St. Emilion ist wahrscheinlich das älteste Weinbaugebiet im Bordelais; es wurden dort schon zur Zeit der Römer Reben kultiviert. Zusammen mit Pomerol bildet St  Emilion die einzige hügelige Appellation der Region. So kommen viele der grossen Weine des St. Emilion von den Hängen dieser Hügel, wie Clos Fourtet, Château Beau-Séjour Bécot oder Château Ausone. St. Emilion befindet sich zudem mehrheitlich auf Kalkstein, was in erster Linie der Merlot-Traube entgegenkommt, die dort ideale Wachstumsbedingungen vorfindet. Die Weine des St. Emilion haben deshalb häufig einen volleren Körper als andere Bordeaux und können in der Regel auch ein bisschen früher getrunken werden als beispielsweise Weine aus dem Médoc. 

Pomerol
Obwohl Pomerol eine der kleinsten Bordeaux-Appellationen ist, kann Sie getrost zu den bekanntesten gezählt werden. Auf einer Fläche von 3km auf 4km werden die Weine auf ähnlichen Böden wie in St. Emilion produziert, allerdings sind diese hier vermehrt auch tonhaltig und sind mit Steinen bedeckt, was die Temperatur in den Rebbergen leicht nach oben drückt. Die Qualität der Weine aus Pomerol ist durchgehend hoch bis sehr hoch – die Preise leider auch. So befinden sich Weingüter wie Le Pin, Clos l'Eglise und natürlich das bekannteste von allen, Château Pétrus in dieser Appellation. Weine aus dem Pomerol haben einen vollen Körper und sind bekannt für Ihre samtigen Tannine und Ihre Komplexität.

Das linke Ufer
Wie eingangs erwähnt, kann man das linke Ufer (der Garonne) noch einmal grob in das nördlich der Stadt Bordeaux gelegene Médoc und in das südlich der Stadt gelegene Graves unterteilen. Hier ist nun also der Cabernet Sauvignon der König der Rebsorten. Allerdings ist auch hier zu beobachten, dass Merlot tendenziell auf dem Vormarsch ist, da die Traube eher den aktuellen Geschmack trifft und auch in schwierigeren Jahrgängen einfacher zu vinifizieren ist. 

Médoc, Haut-Médoc, Listrac und Moulis
Dies sind die weniger prestigeträchtigen Appellationen nördlich der Stadt Bordeaux (Médoc ist verwirrenderweise auch der Name einer Appellation). Die ganz grossen Namen sucht man vergeblich, obwohl auch hier bekannte Güter wie Chasse-Spleen (Moulis), Camensac und Citran (Haut-Médoc) oder Potensac (Médoc) zu finden sind. Die Bodenbeschaffenheit im Médoc ist nicht mehr lehmartig wie auf dem rechten Ufer, sondern mehr sand- und schotterartig. Diese Böden speichern im Sommer die Wärme wirksamer, was dem Cabernet Sauvignon eine bessere Reifung garantiert. Eine weitere Besonderheit des Médoc ist, dass sehr grosse Teile des Gebiets bis ins 17. Jahrhundert ein Sumpf waren, welchen die Holländer ausgetrocknet haben, um dort Landwirtschaft zu betreiben – zum Glück, werden sich viele Weinliebhaber heute sagen.

Pauillac, Margaux, St. Estèphe und St. Julien
Hier kommen wir nun zum Herzen des Médoc mit seinen weltberühmten Châteaux Latour, Mouton-Rothschild, Lafite-Rothschild, Margaux, Montrose, Palmer und vielen weiteren. Im Grunde genommen sind die Böden ähnlich wie im restlichen Médoc, jedoch viel abwechslungsreicher, was ganz verschiedene Mikroklimata zur Folge hat. Der Hauptunterschied zum Haut-Médoc ist jedoch die Lage dieser Appellationen, denn sie sind ein bisschen weiter im Landesinnern gelegen und daher besser geschützt. Zudem verschafft die Nähe zur Garonne diesen Weinbergen ein etwas moderateres Klima. Und zuletzt befinden sich viele Top-Weinberge an leicht abfallendem Gelände, was die Drainage verbessert – in einem Gebiet mit häufigen Niederschlägen ist dies natürlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Jede dieser 4 Appellationen ist berühmt für einen bestimmten Stil von Weinen. St. Estèphe ist bekannt für sehr strukturierte, kräftige und zum Teil rustikale Weine. Pauillac auf der anderen Seite ist weniger tanninlastig, überzeugt aber mit vollem Körper und in guten Weinen mit einer Balance, welche in der Welt des Weins nur selten zu finden ist. St. Julien hingegen kann sehr ähnlich wie Pauillac sein; es gibt aber auch St. Julien, welche sehr elegant, beinahe feminin wirken, wie der Château Gloria. Und zuletzt die Appellation Margaux, welche generell gesehen die elegantesten Weine mit den weichsten Tanninen liefert.

Graves, Pessac-Léognan, Sauternes und Barsac
Südlich der Stadt Bordeaux befindet sich also das Gebiet Graves, welches die gleichnamige Appellation sowie die Appellationen Pessac-Léognan, Sauternes und Barsac beherbergt. Hier ist es auch erlaubt, Weissweine zu keltern und unter dem Namen der Appellation zu verkaufen, was beispielsweise im Médoc nicht möglich ist (die wenigen, zum Teil exzellenten und sehr teuren Weissweine aus dem Médoc wie der Aile d’Argent von Mouton-Rothschild werden als Bordeaux Blanc verkauft). Im Falle von Sauternes und Barsac müssen die Weine sogar weisser Farbe und zusätzlich noch süss sein. Die Appellation Sauternes ist sogar zum Synonym für Süssweine geworden, welche aus mit Edelfäule befallenen Trauben hergestellt wurden. Kein Wunder, befindet sich im Sauternes doch der bekannteste und teuerste Süssweinhersteller der Welt: Château d’Yquem. 

Pessac-Léognan hingegen ist zurzeit vielleicht eine der interessantesten Appellationen des Bordelais. Die Bodenbeschaffenheit ist typisch für das linke Ufer, also vornehmlich Schotter und Kiesel. Zusätzlich ist die südliche und geschützte Lage im Landesinnern verantwortlich dafür, dass die Appellation auch in weniger guten Jahrgängen ein hohes Qualitätsniveau erzielt. Neben den absoluten Top-Gütern wie Château Haut-Brion oder Pape Clément findet man auch viele Weine wie Clos Marsalette oder Château La Garde, welche sehr hohen Ansprüchen genügen, ohne dass man gleich das Bankkonto plündern muss, um sie zu erstehen. Besonders auch die Weissweine bieten sehr viel Genuss zu einem – für Bordeaux-Verhältnisse – sehr moderaten Preis. 

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