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Wolle kaufen bei Manor – das richtige Garn für Ihr nächstes Projekt

Ein halb abgestricktes Knäuel Merinowolle liegt neben der Tasse auf dem Sofatisch, die Maschen vom Vorabend noch ordentlich auf der Rundstricknadel aufgereiht. Der Schal wächst Reihe um Reihe – bis beim Nachkaufen auffällt, dass das neue Knäuel einen Tick heller ausfällt als die bisherigen. Wer schon einmal drei Abende in ein Projekt investiert hat und dann einen sichtbaren Farbstreifen im fertigen Stück entdeckt, weiss: Die Garnwahl verdient mehr Aufmerksamkeit als fünf Minuten im Regal. Genau darum geht es hier – um Faserwahl, Garnstärke, Pflegeverhalten und die Frage, welches Garn wirklich zu Ihrem Vorhaben passt.

Welche Faser passt zu welchem Projekt?

Tierische Fasern: von kuschelig bis kostspielig

Der Unterschied zwischen „kratzt fürchterlich" und „fühlt sich an wie eine zweite Haut" steckt im Faserdurchmesser. Merinowolle liegt bei 16–24 Mikron und ist damit weich genug für Schals, Mützen und alles, was direkt auf der Haut getragen wird. Standardschurwolle bewegt sich bei 25–35 Mikron – robuster, langlebiger, aber spürbar rauer am Hals. Wer Strickwolle für wärmende Winterprojekte sucht, sollte Alpaka auf dem Schirm haben: Die Faser ist hohl aufgebaut und isoliert bei gleichem Gewicht stärker als Schafwolle, ohne das typische Kratzen.

Kaschmir ist die Diva unter den Garnen – extrem weich, aber empfindlich und hochpreisig (ab ca. CHF 15–25 pro 25-g-Knäuel). Mohair erzeugt den typischen flauschigen Halo-Effekt, der Lace-Tücher so luftig wirken lässt. Unserer Erfahrung nach ist Mohair allerdings kein Anfängergarn: Einmal falsch gestrickt, lässt es sich kaum sauber auftrennen, weil die feinen Härchen ineinander greifen.

Pflanzliche Fasern, die ihren eigenen Kopf haben

Baumwollgarn hat praktisch keine Elastizität. Der Rücksprung liegt nahe null Prozent – gestrickte Bündchen leiern aus, Pullover hängen nach wenigen Tragezyklen durch. Für Sommertops, Babykleidung und Häkelarbeiten wie Amigurumis oder Topflappen ist Baumwolle trotzdem erste Wahl, weil sie bei 40 °C waschbar ist und keine Tierhaare enthält. Leinen verhält sich noch steifer, gewinnt aber nach jeder Wäsche an Geschmeidigkeit – perfekt für Küchentücher und strukturierte Sommerschals.

Bambusviskose klingt natürlicher, als sie ist: Es handelt sich um eine chemisch gewonnene Regeneratfaser mit seidigem Glanz und schönem Fall, aber ohne nennenswerte Wärmeleistung. Für leichte Tücher und Übergangsprojekte durchaus reizvoll, für den Berner Winterspaziergang schlicht zu dünn.

Synthetik und Mischgarne – wo Pragmatismus gewinnt

Nicht jedes Projekt braucht eine edle Naturfaser. Oft entscheidet die Alltagstauglichkeit, und genau hier spielen synthetische Beimischungen ihre Stärke aus.

  • Acryl: Günstigster Einstieg ab ca. CHF 3–5 pro 50-g-Knäuel. Maschinenwaschbar bei 30–40 °C, farbecht und pflegeleicht – aber keine Feuchtigkeitsregulierung, und bei trockenem Raumklima lädt es sich statisch auf. Für Anfängerprojekte, Deko-Kissen und alles, was häufig in die Maschine muss.
  • Polyamid-Beimischung (15–25 %): Der Grund, warum Sockenwolle überhaupt funktioniert. Reine Schafwolle scheuert an Ferse und Ballen nach wenigen Wochen durch – Polyamid vervielfacht die Reissfestigkeit, ohne den Tragekomfort merklich zu verändern.
  • Mischgarne (z. B. 50 % Merino / 50 % Acryl): Der pragmatische Kompromiss. Maschinenwaschbar, weicher als reines Acryl, aber weniger temperaturausgleichend als reine Wolle. Für Kinderpullover, die jede Woche in die Trommel müssen, oft die klügste Wahl.

Worauf beim Garnkauf achten?

Garnstärke und Lauflänge als verlässlicheres Mass

Bezeichnungen wie „DK", „Worsted" oder „Aran" klingen eindeutig, variieren aber je nach Hersteller erheblich. Die Lauflänge pro 100 g auf der Banderole ist das objektivere Kriterium: Lace-Garn bringt ca. 400–800 m/100 g, Fingering (Sockengarn) etwa 350–420 m, DK liegt bei 200–280 m, Bulky bei 100–140 m. Je kürzer die Lauflänge, desto dicker das Garn und desto schneller wächst das Projekt – ein Bulky-Schal ist an einem Abend fertig, ein Lace-Tuch braucht Wochen.

Auf der Banderole steht neben der Lauflänge auch die empfohlene Nadelstärke. Die passenden Stricknadeln oder Häkelnadeln bestimmen das Maschenbild: Dünnere Nadeln ergeben ein festeres, dichteres Gestrick, dickere ein lockereres, weicheres. Und hier kommt der Punkt, den viele unterschätzen: Eine Abweichung von nur einer Masche pro 10 cm kann bei einem Pullover den Unterschied einer ganzen Konfektionsgrösse ausmachen.

Maschenprobe immer gewaschen nachmessen – Baumwolle läuft beim ersten Waschen 5–8 % ein.

Faserzusammensetzung richtig lesen

Die Prozentangaben auf der Banderole verraten mehr als der Markenname. Faustregel: Ab 70 % Anteil einer Faser dominiert deren Charakter – Griff, Pflegeanspruch, Wärme. Unter 50 % ist eine Faser nur Beimischung und verändert das Verhalten des Garns nur punktuell. Wer also ein Knäuel mit „30 % Merino, 70 % Acryl" kauft, bekommt ein Acrylgarn mit leicht verbessertem Griff – kein Merinogarn.

Ein Begriff, der auf vielen Banderolen auftaucht: Superwash. Dabei werden die Faserschuppen der Wolle durch Chlor- oder Harzbehandlung geglättet, damit das Garn in der Maschine nicht verfilzt. Praktisch für den Alltag, aber wer Filzpantoffeln oder Filztaschen plant, braucht explizit unbehandeltes Garn – Superwash-Wolle filzt nicht.

Farbpartie sichern

Die Farbpartienummer (Dyelot) auf der Banderole zeigt an, welche Knäuel im selben Farbbad gefärbt wurden. Unterschiedliche Partien können sichtbare Abweichungen zeigen, besonders bei Naturfasern und handgefärbten Garnen. Lieber ein Knäuel mehr kaufen – Restwolle wird zur Mütze, zum Flicken oder zum nächsten kleinen Projekt.

  • Filzbarkeit: Nur unbehandelte Tierhaargarne filzen. Pflanzliche und synthetische Fasern reagieren auf Hitze und Reibung nicht mit Verfilzung – wer Filzpantoffeln plant, braucht reine, unbehandelte Schurwolle.
  • Allergiepotenzial: Lanolin in Schafwolle kann Kontaktallergien auslösen. Alpaka und pflanzliche Fasern sind lanolinfrei. Für Babyprojekte Garne mit OEKO-TEX Standard 100, Klasse I bevorzugen – in Anleitungsbüchern und -heften finden sich oft konkrete Garnempfehlungen für Babykleidung.
  • Pillingverhalten: Kurzstapelige Fasern wie Kaschmir und Angora pillen stärker als langstapelige Merinofasern. Fester stricken – also eine halbe bis ganze Nadelstärke kleiner wählen als empfohlen – reduziert Pilling spürbar, macht das Gestrick aber auch steifer. Ein Trade-off, den man bewusst eingehen sollte.

Marken im Manor-Wollsortiment

Einstieg und Alltagsgarne

Rico Design und Schachenmayr sind verlässliche Einstiegsmarken mit breiter Farbpalette und pflegeleichten Mischgarnen im Bereich von ca. CHF 4–8 pro 50 g. Wir bei Manor empfehlen diese Marken besonders für Anfängerprojekte und Kinderkleidung, bei denen Maschinenwaschbarkeit im Alltag wichtiger ist als Faserexklusivität. Schachenmayr bietet mit der Baby-Smiles-Linie zudem Garne, die speziell auf Schadstofffreiheit und Hautsensibilität ausgelegt sind. Passendes Zubehör wie Nadeln und Maschenmarkierer finden Sie bei Prym.

Naturfaser-Fokus und Schweizer Tradition

Lang Yarns ist eine Schweizer Traditionsmarke mit starkem Sortiment an Merino-, Alpaka- und Seide-Mischungen im Bereich von ca. CHF 9–18 pro 50 g. Detaillierte Anleitungen und saisonale Kollektionen machen den Einstieg in anspruchsvollere Projekte leichter. Für fortgeschrittene Strickerinnen und Stricker, die Wert auf Farbkonstanz über mehrere Partien legen, eine besonders zuverlässige Wahl.

Premium und Spezialgarne

Lana Grossa bewegt sich im oberen Mittelfeld bis Premium-Bereich (ca. CHF 10–25 pro 50 g) und ist bekannt für trendorientierte Farben und innovative Garnstrukturen – Effektgarne, Degradé-Verläufe, ungewöhnliche Materialkombinationen. Für anspruchsvolle Projekte, bei denen das Garn selbst zum Gestaltungselement wird, und als Geschenk für Handarbeitsbegeisterte.

Unser Sortiment im Bereich Handarbeit und Kurzwaren ist so zusammengestellt, dass Sie Garne verschiedener Preissegmente direkt nebeneinander vergleichen können – vom Einstiegsknäuel bis zum Luxusgarn.

Gut zu wissen – worauf Wollfasern empfindlich reagieren

Tierische Wollfasern sind Eiweissfasern und reagieren empfindlich auf drei Faktoren: Hitze über 30 °C, mechanische Reibung und alkalische Waschmittel. Wer reine Wolle bei 60 °C in die Maschine gibt, erhält ein verfilztes, geschrumpftes Teil, das nicht mehr zu retten ist. Superwash-behandelte Garne vertragen den Schonwaschgang bei 30 °C, verlieren aber bei häufigem Schleudern über 600 U/min an Formstabilität. Pflanzliche Garne wie Baumwolle und Leinen sind hitzebeständiger, laufen aber beim ersten Waschen ein. Deshalb vor dem Zusammennähen immer die Maschenprobe gewaschen und getrocknet nachmessen. Für individuelle Beratung zur Garnwahl stehen Ihnen unsere Fachberater in den Manor-Filialen persönlich zur Verfügung.

Häufige Fragen zu Wolle

Wie viel Wolle brauche ich für einen Schal?

Für einen einfachen Schal (ca. 20 cm breit, 180 cm lang) in DK-Garnstärke planen Sie ca. 200–250 g ein. In Bulky-Garn reichen 150–200 g, und das Projekt ist in zwei bis drei Abenden fertig. Entscheidend: Rechnen Sie nach Lauflänge, nicht nach Knäuelanzahl – Knäuel wiegen je nach Marke zwischen 25 und 100 g. Im Zweifel ein Knäuel mehr kaufen und den Kassenbon aufbewahren.

Welche Wolle eignet sich für Babykleidung?

Babyhaut ist dünner und reagiert empfindlicher auf Kratzen und chemische Rückstände. Erste Wahl sind Garne mit OEKO-TEX Standard 100 Zertifizierung, Klasse I – geprüft für direkten Hautkontakt bei Babys. Schachenmayr Baby Smiles ist hier eine bewährte Wahl aus dem Manor-Sortiment: lanolinfrei, maschinenwaschbar bei 40 °C und gezielt auf Schadstofffreiheit ausgelegt. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift alternativ zu Baumwoll-Merino-Mischgarnen mit Superwash-Ausrüstung.

Kann ich jede Wolle in der Waschmaschine waschen?

Nein. Nur Garne mit Superwash-Behandlung oder explizitem Maschinenwäsche-Symbol auf der Banderole gehören in die Maschine – immer im Wollwaschgang, mit flüssigem Wollwaschmittel ohne Enzyme und idealerweise in einem Wäschenetz. Mindestens so wichtig: das Trocknen. Wollteile niemals aufhängen, sie leiern unter dem Eigengewicht aus. Stattdessen liegend auf einem Handtuch in Form ziehen und trocknen lassen.

Woran erkenne ich gute Garnqualität im Laden?

Drei Schnelltests am Knäuel: Erstens drehen – ein gut verzwirntes Garn dreht sich beim Loslassen nicht stark auf. Zweitens leicht ziehen – Wolle federt elastisch zurück, Baumwolle und Leinen bleiben starr. Drittens über den Handrücken reiben – kratzt es dort, kratzt es auch am Hals. Auf der Banderole verrät die Bezeichnung „Schurwolle" Erstverwendung der Faser, während „Reine Wolle" auch wiederaufbereitete Fasern enthalten kann.

Gibt es nachhaltige Wolle im Manor-Sortiment?

Ja, auf mehreren Ebenen. Garne mit OEKO-TEX Standard 100 Zertifizierung garantieren Schadstofffreiheit im Endprodukt. Lang Yarns setzt mit der Yak-Linie auf Naturfasern aus kontrollierter Tierhaltung, und einzelne Mischgarne im Sortiment enthalten recyceltes Polyester. Grundsätzlich hat Handgestricktes durch die lange Nutzungsdauer und Reparierbarkeit – Stopfen, Auftrennen, Neuverstricken – einen inhärenten Nachhaltigkeitsvorteil gegenüber industrieller Massenware.