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Die autochthonen Rebsorten Spaniens

Es ist allgemein bekannt, dass Spanien eines der grössten weinproduzierenden Länder ist; es steht an dritter Stelle hinter Italien und Frankreich. Zieht man aber nur die Rebfläche in Betracht, steht Spanien sogar an der Spitze dieser Rangliste – 22.13 Prozent oder mehr als jeder fünfte Rebstock (für die Weinproduktion) stehen in diesem Land.

Beinahe noch mehr überrascht dabei die Tatsache, dass über 85 Prozent dieser Reben autochthon, also einheimische spanische Sorten sind. Zum Vergleich: Im Land der «1’000 Rebsorten», also Italien, liegt dieser Anteil lediglich bei 72 Prozent. Grund genug genauer zu schauen, welche Traubensorten und letztlich auch welche köstlichen Weine sich hinter diesen Zahlen verbergen. 

Die Weissweine

Knapp ein Viertel der gesamten Rebfläche entfällt auf die Sorte Airén. «Aiwas?», denken Sie sich nun sicher. Airén war noch vor circa 10 Jahren die am häufigsten angebaute Rebsorte der Welt (der überwältigende Teil davon in Spanien). Es ist eine weisse Traube, die in erster Linie für die Produktion von Brandy kultiviert wird. Weissweine werden zwar auch gekeltert, diese sind aber sehr bescheiden in ihrem Aroma und oxidieren auch sehr schnell – Sie haben also nicht sehr viel verpasst.

Schade wäre hingegen, die folgenden 2 weissen Sorten zu verpassen, die exemplarisch für die neue Generation spanischer Weissweine stehen: Verdejo und Albariño. 

Der in der Region Rueda beheimatete Verdejo ist ein echter Traum für Önologen. Denn die Sorte ist nicht nur aromatisch, sondern sie behält auch in warmen Gegenden eine frische Säure. Darüber hinaus hat sie einen runden, verführerischen Körper, kann sehr gut in Eichenfässern ausgebaut werden und entwickelt eine grossartige Komplexität. Diese Vorzüge hat als Erster Marques de Riscal herausgefunden. Er begann in den 1970er Jahren, einen Weisswein mit modernen Methoden zu produzieren und auch im Eichenfass auszubauen, der noch heute produziert wird. Daneben gibt es auch köstliche Verdejo ohne Reifung im Eichenfass, die herrlich zu Meeresfrüchten und sommerlichen Speisen passen.

Albariño auf der anderen Seite kommt aus dem Nordwesten Spaniens oder aus Portugal und wird auch dort (unter anderem im Vinho Verde) sehr verbreitet kultiviert. In Spanien hingegen ist es die Appellation Rías Baixas in Galicien, die für sich beanspruchen kann, die besten Albariño-Weine zu produzieren. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine sehr aromatische Sorte, die über eine unglaubliche Fülle an floralen Noten und Fruchtaromen verfügt. Da es in Galicien häufig regnet, ist es für die Winzer zwar nicht immer einfach, die Trauben schadlos durch die Saison zu begleiten, aber dafür behalten die Weine ihre Frische. Somit sind auch Albariño-Weine eine grossartige Option für Fischspeisen aller Art. 

Die Rotweine
Beginnen wir gleich mit dem Giganten: Tempranillo. Es handelt sich hierbei um die Paradetraube aus Spanien, die sich in den letzten 2 Jahrzehnten zu einer veritablen internationalen Sorte entwickelt hat. Tempranillo ist sogar die Sorte, die zwischen 2000 und 2010 weltweit am meisten an Rebfläche zugelegt hat: über 1’400 m2, was in etwa der Fläche des Kantons Luzern entspricht. Heute ist Tempranillo die am dritthäufigsten gepflanzte rote Rebsorte der Welt. Es wird angenommen, dass die Traube aus Rioja oder Navarra stammt, sie ist aber in ganz Spanien weit verbreitet. Tempranillo ist dabei perfekt an die klimatischen Eigenheiten Spaniens angepasst, denn die Sorte kommt mit sehr wenig Wasser aus und mag warmes und sogar sehr warmes Klima. Aber auch unter diesen Bedingungen bleibt sie viel eleganter und leichter im Alkoholgehalt als zum Beispiel Garnacha oder Monastrell. Dazu gesellt sich eine grosse Affinität zur Reifung im Eichenfass sowie ein extrem gutes Reifepotenzial. All dies erklärt, warum Tempranillo-Weine (wie zum Beispiel Pingus oder Vega Sicilia) heute zu den grossartigsten Rotweinen der Welt gezählt werden. 

Andererseits ist auch die Sorte Monastrell im Begriff, die Exportmärkte zu erobern. In den Appellationen Yecla und Jumilla läuft diese Rebsorte zur Hochform auf. Sie braucht ein sehr warmes bis heisses Klima, um richtig zu reifen, und dürfte deshalb mit der Klimaerwärmung noch weiter an Popularität gewinnen. Die Weine aus Monastrell (in Frankreich auch bekannt als Mourvèdre) sind richtige Kraftprotze: voller Körper, sehr tanninreich und mit einem hohen Alkoholgehalt. Es bedarf somit sehr fähiger Hände, damit die Weine nicht zu plump werden. Solche Hände sind in den Reihen der Bodegas Juan Gil in Jumilla zu finden, dem Pionier der Sorte und auch heute noch eine absolute Referenz, wenn es um Monastrell geht.

Und welche spanische Traube wird als Nächstes aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt? Mencia, Bobal, oder vielleicht Callet? Sie als Konsument werden dabei sicher ein Wörtchen mitzureden – oder besser gesagt – ein Schlückchen mitzutrinken haben. 

Die Weine Norditaliens