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Die Weine des Piemont

Neben Veneto ist das Piemont die bekannteste und bedeutendste Weinregion Norditaliens und produziert mitunter die besten Weine Italiens, ja sogar der Welt. Warum das so ist, erklären wir Ihnen gerne:

Im Gegensatz zu vielen, ja sogar den meisten bekannten Weinregionen Europas kann das Piemont nicht auf eine lange Tradition zurückblicken, was den Anbau grossartiger Weine anbelangt. Obwohl vermutlich schon die Etrusker in der Region Reben für die Weinproduktion angebaut haben, wurden die dortigen, meist süssen Weine bis in das 19. Jahrhundert hauptsächlich von Einheimischen konsumiert. Dies änderte sich aber fundamental, als ein gewisser Camillo Benso di Cavour, seines Zeichens führender Kopf der italienischen Unabhängigkeitsbewegung und erster Premierminister des wiedervereinigten Italiens, sich anschickte, einen nach französischem Vorbild trockenen Wein aus der Nebbiolo-Traube zu keltern. Dank dieses neuen Stils und der guten Beziehungen Cavours zur königlichen Familie der Savoyen wurde dieser aus der Gemeinde Barolo stammende Wein rasch als «Wein der Könige» oder «König der Weine» bezeichnet und startete seinen bis heute andauernden Triumphzug. 

Auch heute noch sind Barolo und das benachbarte Barbaresco die 2 bekanntesten Appellationen des Piemont. Doch gerade einmal 3 Prozent der Weinproduktion des Piemonts findet in diesen beiden Orten statt. Es lohnt sich also durchaus, auch einen Blick auf die restlichen 97 Prozent zu werfen. 

Grob gesagt werden im Piemont zwei Drittel Rot- und ein Drittel Weisswein produziert. Bei den Rotweinen dominiert neben der Nebbiolo-Traube vor allem die Sorte Barbera. Wobei auch viele andere Sorten durchaus erwähnenswert sind, z. B. Dolcetto, Freisa, Brachetto, Ruchè – alles autochthone Rebsorten des Piemont. Während die Nebbiolo-Traube sehr tanninreiche, komplexe und mit grossem Reifungspotenzial ausgestattete Weine hervorbringt, galt für Barbera lange das Gegenteil: eine Traube mit wenig Struktur und im besten Falle mit frischen Fruchtaromen; gerade gut genug für einen Teller Pasta. Doch es gibt immer mehr Barberas, die in punkto Qualität und Konzentration auch vielen Barolos oder Barbarescos in nichts nachstehen. Der bekannteste Wein unter ihnen ist der Bricco dell'Uccellone. Wer es ein bisschen zugänglicher und auch ein wenig preiswerter als die absoluten Spitzenweine des Piemont bevorzugt, ist entweder mit einem Langhe Nebbiolo oder einem Barbera Superiore, der im Eichenfass ausgebaut wurde, sehr gut beraten.

Beim Weisswein hingegen stechen 3 Rebsorten sofort ins Auge: Zum einen ist dies die Sorte Moscato Bianco (oder Muscat à Petits Grains, wie er in Frankreich heisst), die zum Beispiel im perlenden, angenehm süssen und sehr leichten Moscato d'Asti Verwendung findet. Daneben sollte die Sorte Cortese erwähnt werden, die vor allem um das Städtchen Gavi die bekanntesten Weine gleichen Namens hervorbringt. Und schließlich darf in dieser Aufzählung der Arneis nicht fehlen. Vor gut 40 Jahren von wenigen Winzern noch knapp vor dem Aussterben gerettet ist die Traube heute ein fester Bestandteil der Piemonteser Weinproduktion. Dass es sich um eine sehr delikate Traube handelt, zeigt sich sowohl im Rebberg als auch im Glas. Von der schwierigen Bewirtschaftung der Traube rührt auch ihr Name her, denn Arneis heisst im lokalen Dialekt so etwas wie Schlingel oder Schlawiner. Zudem wurde sie über lange Zeit meist nur als Zutat für Rotweinverschnitte (!) verwendet – was auch sehr viel über den Stellenwert dieser Traube aussagt. Doch dank der Produzenten Vietti und Bruno Giacosa, die den Glauben an die Qualität der Sorte nie aufgegeben haben, findet die Traube wieder Liebhaber. So erreichte die Herkunftsbezeichnung Roero Arneis in den 1980er Jahren DOC- und in den 1990er Jahren sogar den DOCG-Status, also die höchste Stufe der italienischen Ursprungsbezeichnungen. Die Hauptmerkmale dieser Sorte sind der niedrige Säuregehalt, der volle Körper und die delikaten Fruchtnoten von Birnen sowie Aromen von weissen Blüten. Damit ist sie der weissen Nationaltraube der Schweiz, dem Chasselas, nicht unähnlich.

Die Weine Norditaliens