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«Jedes pflanzliche Menü ist ein Schritt in die richtige Richtung»

Beim Einkaufen, in der Küche oder im Beruf – das Thema Nachhaltigkeit ist allgegenwärtig. Im Zuge der Corona-Pandemie fragen sich mehr Menschen denn je, ob und wie sich ein erfülltes und nachhaltiges Leben in Einklang bringen lassen. Klar, dass wir uns auch bei manor.ch Gedanken dazu machen. Wenige Wochen vor Weihnachten haben wir deshalb bei Laura Lombardini von der Veganen Gesellschaft Schweiz nachgefragt und uns über das Fest der Liebe, nachhaltiges Schenken und tierfreundliche Ernährung während der Festtage unterhalten. Mehr zu Nachhaltigkeit bei Manor erfahren Sie übrigens auch hier.

Frau Lombardini, was bedeutet für Sie «nachhaltige Weihnachten»?

In erster Linie, dass ich mir Gedanken mache. Wie kann ich Gutes für mich selbst tun, das ebenso auch gut für andere Lebewesen und die Umwelt ist? Eine zentrale Rolle spielt dabei unser Konsumverhalten. Gerade das Fest der Liebe sollte sich auch auf dem eigenen Teller und unter dem Christbaum widerspiegeln. 
 
Also etwa mit nachhaltigen Weihnachts-Menüs?

Auf jeden Fall! Nachhaltigkeit ist jedoch ein ziemlich komplexes Thema und es ist nicht immer ganz klar, was am nachhaltigsten ist: Ist regionales oder importiertes Bio-Gemüse besser? Glas oder Plastik? Was aber generell gesagt werden kann: Pflanzliche Menüs sind für Umwelt und Tiere immer die bessere Wahl. Auch für die Gesundheit können sie einige Vorteile mit sich bringen.
 
Warum tun sich viele Menschen schwer damit, nachhaltiger zu leben?

Es gibt verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit, die sich manchmal auch widersprechen. Ich denke Jede und Jeder muss für sich selbst die Kriterien definieren, die einem wichtig sind. Klar, mit einer veganen Lebensweise werden viele Aspekte gleichzeitig abgedeckt. Aber jedes pflanzliche Menü ist ebenso bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig ist, dass Veränderungen im eigenen Tempo und mit Freude vorgenommen werden, so dass sie dann auch langfristig beibehalten werden.
 
Bedeutet eine nachhaltige Küche automatisch veganes Essen?

Wer sich für Nachhaltigkeit interessiert, wird sich früher oder später auch mit einer veganen Ernährung beschäftigen. Die Herstellung von tierischen Nahrungsmitteln benötigt immense Ressourcen und ist eine enorme Belastung für Luft, Wasser und Land. Pflanzliche Produkte schneiden um ein Vielfaches besser ab. Kommt hinzu, dass die Umstellung der Ernährung ja auch einfacher geworden ist.
 
Inwiefern?

Inzwischen gibt es für fast alles sehr gute Alternativen. Rahm, Milch, Schnitzel, Burger, Nuggets, Fischstäbchen, Poulet und vieles mehr gibt es vegan. Auch Alternativen zu Käse gibt es immer mehr – mir persönlich schmecken ein paar davon richtig gut. Bei pflanzlicher Milch gibt es eine sehr grosse Auswahl. Da hat es für jeden Geschmack etwas dabei.
 
Das Thema Gesundheit ist ja aktueller denn je. Stellen Sie im Zuge von Corona bereits Veränderungen beim Essverhalten der Bevölkerung fest?

Gemäss Rückmeldung von verschiedenen Detailhändlern ist das Interesse an veganen Produkten tatsächlich noch mehr gestiegen. Vermutlich auch wegen erneuten Skandalen in Schlachtbetrieben. Das schreckt zurecht viele Menschen ab. Alternativen sind gefragt, mehr denn je.
 
Gibt es seit dem Lockdown also mehr Menschen, die sich vegan ernähren?

Das ist schwierig zu sagen. Wir nehmen aber wahr, dass das Interesse immer grösser wird und viele Menschen eine empathische Haltung anderen Lebewesen gegenüber pflegen möchten. Das sehen wir auch am grossen Zuwachs an neuen Vereinsmitgliedern.
 
Zurück zu Weihnachten. Was kommt bei Ihnen auf den Tisch?

Zu Weihnachten darf es bei mir deftig und üppig sein: Mehrere kleine, raffinierte Vorspeisen, einen Seitan- oder Nussbraten an Rotweinsauce und ein leckeres, crémiges Dessert – dann bin ich glücklich. Die Tage darauf esse ich dann gerne wieder etwas leichter.
 
Haben Sie uns zum Schluss vielleicht noch Tipps für nachhaltige Weihnachtsgeschenke?

Wir führen im Januar zum zweiten Mal in der Schweiz den Veganuary durch. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden ermutigt einen Monat lang die vegane Ernährung auszuprobieren und erhalten dafür täglich kostenlos Tipps, Informationen und Rezepte per E-Mail. Man könnte also Freunde und Familienmitglieder ermutigen mitzumachen und ihnen als Motivation ein Starterpaket mit spannenden veganen Produkten und Rezepten schenken. Auch ein gemeinsamer Besuch auf einem Lebenshof könnte ein schönes Geschenk sein.
 
Lebenshof?

Lebenshof ist eine Einrichtung, in der Tiere ihren Lebensabend in Ruhe verbringen dürfen. Das können Hasen, Pferde, Ziegen, Hühner, Schweine, Kühe oder andere Tiere sein. Anders als bei einem Tierheim oder in der Nutztier-Industrie, werden sie hier nicht weitervermittelt
und müssen auch keinem Zweck dienen. Es ist eines der schönsten Erlebnisse, einem vor Zufriedenheit grunzenden Schwein den grossen Bauch zu kraulen.

Zur Person: Laura Lombardini

Als Geschäftsleiterin bei der Veganen Gesellschaft Schweiz ist Laura Lombardini für die operativen Tätigkeiten des Vereins verantwortlich. Als gemeinnütziger Verein setzt sich die Vegane Gesellschaft Schweiz für die Förderung der Veganen Lebensweise ein. Der Verein zählt inzwischen über 1000 Mitglieder und 25'000 Follower auf Social Media. In den sozialen Medien ist die Vegane Gesellschaft Schweiz die relevanteste Plattform für den veganen Lebensstil in der Zielgruppe der 20- bis 39-jährigen Menschen. Laura Lombardini initiiert und leitet Projekte sowie Events. Sie lebt seit über 5 Jahren vegan und schreibt bei Tsüri eine Kolumne über Veganismus in der Schweiz.

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